Heimatgalerie - Seewerk Falkenhagen/VGS OK

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Seewerk Falkenhagen/VGS OK

ehem. Kampfstofffabrik und VGS des Oberkommandos der Truppen der Westrichtung (westlicher KSP), Objekt Falkenhagen.


In den Jahren 1939-1942 errichtete die Wehrmacht mit Hilfe von Häftlingen, Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen für ca. 100 Millionen Reichsmark nahe der Ortschaft Falkenhagen eine 4etagige unterirdische N-Stoff (Chlortrifluorid) und, nach Vorschlag von A. Speer (weil eine erste Sarinanlage in Dyhernfurth aus Luftschutzgründen nicht genehmigt wurde) ab 1943 eine Sarin Kampfstofffabrik (Gesamtkosten 44 Millionen RM) mit autarker Infrastruktur und dazu gehörigen Gebäuden in der näheren Umgebung. Die umliegenden Wälder sind in Form von Strukturen mit in die Kampfstofffabrik integriert. Das betrifft sowohl den Wasserzu- und Ablauf, Notbecken, Gleisanschluss und Pumpstationen. Anfangs als "Muna Ost" bezeichnet (1938), wechselte die Fabrik bis 1945 insgesamt 9x deren Bezeichnung bzw. die Nennung, wie zb "Monturon Seewerk, Falkenhagen-Briesen" oder "Seewerk Falkenhagen". 
Der zügige Vormarsch der Roten Armee und Geltungs- und Besitzansprüche zwischen Industrie (IG Farbenindustrie, A. Speer [RM f. Rüstung u. Kriegsproduktion]) und dem Heeres-Waffenamt (Waffen-SS, H. Himmler) verhinderte zum Glück die komplette Fertigstellung dieser Produktionsstätte und damit den Einsatz der Mittel. Hinzu kommt die Ablehnung des Einsatzes des N-Stoffes durch das Heer und die versuchte Übergabe durch Hitler an die Waffen-SS nach erfolgreicher Erprobung des Kampfstoffes. So wurde u.a. von Hitler gefordert zu prüfen, ob N-Stoff in größeren Mengen als Zuladung bei dem A4 verwendet werden könne, um die Brandwirkung zu erhöhen. [1]
Am 02.02.1945 erreicht Falkenhagen der Führerbefehl zur Räumung der Anlage. Die Räumung wurde Mitte Februar 1945 umgesetzt. Bis zum April 1945 diente die Anlage vermutlich als Notlazarett und Sammelpunkt für das "letzte Aufgebot". [1]

Dazu schrieb A. Speer am 26.07.1944 an H. Himmler:
"Ich kann der Übernahme der Produktion von Falkenhagen durch die Waffen-SS auch deswegen nicht zustimmen, weil neben und in Verbindung mit der N-Stoffanlage, eine entscheidene Kampfstoff-Anlage errichtet ist. Eine doppelte Betriebsführung erscheint nicht tragbar. Der in Falkenhagen erzeugte Kampfstoff Sarin ist der wertvollste und modernste aller Kampfstoffe und hat die sechsfache Wirkung aller bisherigen Kampstoffe". [1]