Heimatgalerie - Military Liaison

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Dokumentationen zur Zeitgeschichte - damit die Wahrheit erhalten bleibt

Military Liaison

Einleitend zur Thematik sollte der Überlick über die Rechte und Pflichten der MVM-Angehörigen stehen. In den folgenden Seiten sollen zunächst nur die Sichtweisen und Handlungsansätze des MfS Betrachtung und Erläuterung finden. Für die Darstellung der Aufgaben und der Schilderung der Arbeitsweisen der MVM Angehörigen fehlen mir belastbare Informationen. Zudem gibt es für diese Thematik bessere Plätze zur Information.

 


 



Zum Aufenthalt der Angehörigen der MVM auf dem Territorium der DDR und zu den auf zweiseitigen Vereinbarungen basierenden Rechten und Pflichten der MVM.

USMLM - United States Military Liaison Mission
BRIXMIS - British Commanders'-in-Chief Mission
MMFL - La Mission Militaire Francaise de Liaison
SMM - Sowjetische Militärverbindungsmissionen (BAOR, USAREUR, CCFA)

Den MVM-Angehörigen ist gestattet:

- sich in Ausübung ihrer Funktion auf dem Territorium der DDR außer denen für sie ständig oder zeitweilig gesperrten Gebieten zu bewegen
- Hotels, gastronomische Einrichtungen, Geschäfte und Tankstellen in Anspruch zu nehmen
- Sport und Kulturveranstaltungen zu besuchen
- das öffentliche Fernsprechnetz zu benutzen
- in Währung der DDR zu bezahlen
- ihre Ehefrauen und Kinder bis zu 16 Jahren mit akreditieren zu lassen
- Bürgern ihres Staates, die zum Aufenthalt in der DDR weilen oder im Transitverkehr reisen Unterstützung zu gewähren
- in ihren Stützpunkten Alliierte zu empfangen

Den MVM-Angehörigen ist nicht gestattet:

- der Aufenthalt in ständigen und zeitweiligen Sperrgebieten
- Zufahrten zu militärischen, ökonomischen und politischen Objekten und Einrichtungen die durch MVM-Verbotsschilder gekennzeichnet sind zu befahren
- militärische Kolonnen und Transporte zu begleiten sowie militärische, politische und ökonomische Objekte zu beobachten und zu fotografieren
- Apparate und Geräte zu Aufklärungszwecken zu benutzen
- außerhalb der MVM-Objekte Zivilkleidung zu tragen
- Verkehrs-und Transportmittel zu benutzen die nicht zum Bestand der MVM gehören bzw. nicht als solche gekennzeichnet sind
- Personen in ihren Kfz mitzunehmen, die nicht im Besitz einer entsprechenden Genehmigung der GSSD sind
- provokatorische Handlungen jeglicher Art gegen die DDR ihrer Bürger, staatlichen Einrichtungen und Symbole durchzuführen
- Handlungen staatsfeindlicher Hetze, wie die Verbreitung von Flugblättern durchzuführen

Pflichten der MVM-Angehörigen:

- sich entsprechend den Festlegungen des Oberkommandos der GSSD zu verhalten
- die Gesetze der DDR zu respektieren und die in der DDR geltende StVO einzuhalten
- stets die Uniform ihres Landes mit den Rangabzeichen zu tragen und nur die Dienstfahrzeuge der MVM mit den vorgeschriebenen Kfz.-Kennzeichen zu benutzen
- den Forderungen der von den sowjetischen Streitkräften der NVA und der Deutschen Volkspolizei eingesetzten Regulierungsposten Folge zu leisten

Abb. der offiziellen Verbotsschilder für die MVM-Angehörigen.

In aller Regel hielten sich die drei westlichen MVM-Angehörigen nicht an das geltende Verbot des Betreten oder Befahren von ausgewiesenen Sperrgebieten in der DDR. Gleiches gilt im übrigen auch für sowjetische Angehörige ihrer Militärverbindungsmission (SMM) in der Bundesrepublik. Durch die sowjetischen Genossen war die pausenlose und massive Überwachung der drei westlichen MVM-Angehörigen durch das Ministerium (überwiegend durch die HA II) nicht immer von Beifall begleitet. Das lag u.a. daran, dass manchmal das Wissen um den Zweck der Erkundungsfahrt wichtiger gewesen wäre, als die MVM-Angehörigen vor dem eigentlichen Ziel "zu stellen". Die Erkenntnis zu haben was "denen" wichtig ist war, hatte bei den Mitarbeitern der HA II anscheinend nicht oberste Priorität. Häufige Missverständnisse und unklare Absprache über den Einsatz von Inoffiziellen Mitarbeitern beider Dienste (MfS und KfS) in den Stützpunkten der westlichen MVM, die eindeutige Beschilderung dieser und die Handlungsvarianten für die Volkspolizei bei der Kontrolle von Personen ohne eindeutig sichtbare MVM Identität führte ebenso zu Spannungen und bedurfte ständiger Konsultationen. 
Damit die "Blockierungsgruppe" des MfS dennoch genau wusste wie sie im Fall des Festsetzens von MVM-Angehörigen zu reagieren hatte, gab es zweifelsfreie "Handlungsvarianten" und kleine Klappkarten mit den KfZ Identifikationstafeln. Nur den sowjetischen Genossen war die direkte Festnahme der MVM-Angehörigen gestattet. Die Mitarbeiter und Genossen des MfS und der NVA durften lediglich Sperren, Blockieren und an der Weiterfahrt hindern. Unverzüglich sind daraufhin die sowjetischen Militärs (ich vermute Militärabwehr, KfS oder GRU) zum Ereignisort zu beordern. Der Grund dieser Handlungen lag im Abkommen der 4 Alliierten und dem Kontrollmechanismus in den Okkupationszonen Deutschlands begründet. Nach Aussagen einiger Angehöriger der westlichen MVM verabschiedete man sich nach der "Übergabe" am Ereignisort durch das MfS gegenseitig meist mit Handschlag und jeder ging wieder seiner Wege, man kannte sich eben.
Die Ergebnisse jeder dieser Fahrten wurden jährlich in Berichten zusammgefasst. Diese Berichte sind mit etwas Recherche auch im Internet zu finden. Zumindest für die USMLM.

Letztendlich bleibt noch der Blick auf die Abkommen zwischen den sowjetischen Oberkommandierenden und den drei westlichen Oberkommandierenden in Bezug auf die Schaffung der Militärverbindungsmissionen.

Weitere und wesentlich umfangreichere Hintergründe zu den westlichen Militärverbindungsmissionen BRIXMIS und USMLM lassen sich hier finden. Zusätzlich möchte ich auf die Dokumentation "KEEP THE COLD WAR COLD" hinweisen.

USMLM
BRIXMIS
MMFL

Nicht zuvergessen sei die Erinnerung an den tragischen und unnötigen Tod von Major Arthur D. Nicholson (USMLM) und l'adjudant-chef Philippe Mariotti (MMFL)

A. D. Nicholson

P. Mariotti

(Stand: 14.12.2016)

(Quellen: BStU, BV Neubrandenburg, KD Templin, Nr. 5; Bilder: BStU, MfS-Wachregiment, Nr. 8975, MfS ZAIG 31146, Wikipedia)


Um zunächst Klarheit zu schaffen, was "Sperrgebiete" sind muss die allgemeine Charakteristik betrachtet werden (in Auszügen aus den "Gemeinsamen Festlegungen zwischen dem MfNV und dem Stab der GSSD zur Realisierung der Sperrgebietsverordnung vom 26.07.1979" vom 15.01.1988)

1) Sperrgebiete sind solche Gebiete, für die das Betreten, Befahren bzw. das Überfliegen sowie die bildliche Darstellung durch Unbefugte untersagt bzw. eingeschränkt ist oder nur mit einer besonderen Erlaubnis gestattet werden kann.

2) Ständige Sperrgebiete sind Festlandsperrgebiete, Seesperrgebiete oder Luftsperrgebiete, die für einen unbefristeten Zeitraum festgelegt werden. Diese Territorien sind auf Grund ihrer Lage oder der sich in ihnen befindlichen militärischen, ökonomischen und politisch bedeutsamen Objekte und Einrichtungen für den Schutz und die Sicherheit der DDR von besonderer Bedeutung.  
Sperrgebiete legt der Oberkommandierende (OK) der GSSD fest. Das Befahren und Betreten ist für die Angehörigen der drei westlichen MVM grundsätzlich verboten. Ausnahmen kann der OK der GSSD festlegen.
Die Chefs der MVM werden durch Übergabe einer Karte mit den eingezeichneten Sperrgebietsgrenzen verbindlich informiert.

3) Zeitweilige Sperrgebiete sind Festlandsperrgebiete, Seesperrgebiete oder Luftsperrgebiete, bei denen der Zeitraum der Gültigkeit bereits bei der Einrichtung der Sperrgebiete festgelegt wird, die entsprechenden Einschränkungen nur zeitweilig festgelegt werden oder die entsprechenden Eischränkungen prinzipiell einmalig und innerhalb eines kurzen Zeitraumes wirksam werden. Es sind Gebiete, deren Befahren und Betreten für einen befristeten Zeitraum durch MVM Angehörige verboten ist. Dazu zählen z.B. Gebiete oder Gelände von Manöverhandlungen, Truppenbewegungen und anderen militärisch bedeutsamen Handlungen der sowjetischen Streitkräfte, der NVA und der Armeen anderer Warschauer Vertragstaaten. Ebenso gilt das zeitweilige Verbot für Gebiete oder Gelände politisch bedeutsamer Veranstaltungen die eine umfangreiche politische-operative Sicherheit erfordern.
Die Festlegungen erfolgen im Auftrag des MfS, des MfNV oder des MdI beim OK der GSSD. Eine zusätzliche Beschilderung dieser zeitweiligen Sperrgebiete durch MVM-Verbotsschilder ist nicht notwendig.

Gelände- und Wasserflächen, die der GSSD in Deutschland zur ständigen Nutzung bereitgestellt und als Sperrgebiete festgelegt wurden, werden nur dann mit Verbotsschildern gekennzeichnet, wenn sie nicht eingefriedet oder durch Posten gesichert sind.

(Stand: 11.12.2016)

(Quellen: BV Neubrandenburg Abt. II Nr. 24 Band 1, ZAIG 31146)