Heimatgalerie - Bauprogramm "Delphin"

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Bauprogramm "Delphin"

Das Bauprogramm "Delphin" und der Befehl 10/73.

Aus gegebenem Anlass möchte ich auf das Bauprogramm "Delphin" und dem daraus resultierenden Befehl 10/73 (auch als "Filigran" bekannt) eingehen. Da es in letzter Zeit immer wieder falsche Darstellungen bzw. Auslegungen in dieser Richtung gab, möchte ich meine Internetpräsenz dazu nutzen, der Wahrheit ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Man muss ja nicht alles was mit der Geschichte der DDR zusammen hängt verdrehen. Fachlich beraten und unterstützt wurde und werde ich dabei von J. Freitag (ehem. Stellvertretender Bauwerkskommandant der 17/5001). Ich bin froh, seine Hilfe in Anspruch nehmen zu dürfen und bedanke mich hierfür recht herzlich.

Nun wollen wir uns der Dinge die da "brach" liegen mal etwas nähern. Um es gleich vorweg zu nehmen, ohne das Bauprogramm "Delphin", würde es keinen Befehl 10/73 (Filigran war nur der Tarnname unter der der Befehl geführt und protokolliert wurde) geben.

Der Nationale Verteidigungsrat beschloss am 21. November 1968 das Bauprogramm "Delphin" (Nr. 27/33/68, hier die Dokumente des NVR zum Delphin von 1968). Es umfasste die Jahre 1971-1980. Anwesend waren u.a. Honecker, Neumann, Norden, Bräutigam, Mielke und Hoffmann. Es war ein gewaltiges Bauvorhaben, sowohl finanziell, als auch Logistisch. Ein Programm zur Schaffung geschützter Führungsstellen von Partei und Staatsführung, um die politische und militärische Führung der DDR im Verteidigungsfall zu sichern. Die Hauptaufgabe dabei war, die staatlichen Funktionen und damit die DDR im Verteidigungsfall handlungsfähig zu halten. Es umfasste in diesem ersten Beschluss 61 Bauwerke und hatte ein Gesamtinvestitionswert von 2,48 Mrd. Mark der DDR (35. Sitzung des NVR am 12. November 1968, Tagesordnungspunkt u.a.: "4. Konzeption über die Vorbereitung geschützter zentraler Führungsstellen der DDR im Verteidigungszustand") . Der 2. Beschluss dieser Thematik, der den Beschluss Nr. 27/33/68 vom 21. November 1968 und die Ordnung des Sekretärs des NVR der DDR vom 05. September 1968 außer Kraft setzte, sollte wahrscheinlich den ersten Beschluss auf Grund der aufkommenden Ökonomischen Probleme in Hinsicht der Bauleistungen und deren Kosten nur konkretisieren. Er wurde am 30. November 1973 vom NVR beschlossen und vom Politbüro des ZK der SED am 11. Dezember 1973 bestätigt. Am 03. Mai 1974 wurde der Beschluss in Strausberg bestätigt und protokollarisch festgeschrieben. Er umfasste die Jahre 1976-1990. Anwesend waren Honecker, Sindermann, Keßler, Streletz, Stoph, Mielke, Albrecht, Verner. Auch dieser Beschluss sah vor, alle politischen Entscheidungsträger, ihre Ministerien und die angeschlossenen Bezirkseinsatzleiter in geschützten (verbunkerten) Führungsstellen unterzubringen. Der genaue Forderung lautete: " Die Gewährleistung einer standhaften, stabilen und gedeckten Führung der nachgeordneten Organe, Bereiche und Einrichtungen bei der Überführung der DDR in den Verteidigungszustand und im Verteidigungszustand ". Dabei wurden die einzelnen zu schaffenden Schutzbauwerke entsprechend ihrer Bedeutung in der Führungsstruktur in Schutzklassen (SK) gegliedert. Für die Schutzbauwerke (SBW) der höchsten Führungsebene, wie z.B. das Objekt 17/5001 (Honeckerbunker [welch blöder Begriff, wäre Krenz Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates (NVR) gewesen, hätte man ihn wohl Krenzbunker genannt.]), wurde theoretisch im Plan die Schutzklasse A (höchste Einstufung) vorgesehen. Bei diesem Bauwerk wurde die theoretische Planung dann auch in die Praxis umgesetzt bzw. die Schutzparameter bautechnisch nach Fertigsstellung auch erreicht. Einzelne andere Bauwerke wurden in ihrer endgültigen SK nach Fertigsstellung herabgestuft oder erst garnicht errichtet, weil es die Ökonomischen Möglichkeiten der DDR nicht mehr erlaubten. Man darf nicht vergessen, dass es sich bei den zu errichtenden Schutzbauwerken um 18 Objekte, im Gesamtinvestitionswert von 2,268 Mrd. Mark der DDR handeln sollte. Alle anderen Führungsorgane sollten die geschützten Führungsstellen nach 1990 errichtet werden.

Der Befehl 10/73 (hier die Dokumente zum Befehl) beinhaltete nur die begleitenden Maßnahmen des MfS in Hinsicht auf die operative Absicherung der Geheimhaltung und die Bereitstellung von Kräften und Mitteln zur Gewährleistung der zentral gestellten staatlichen Aufgaben und trägt das Datum vom 05. Februar 1973. Die Hauptabteilung Personenschutz (HA PS) war die ausführende Diensstelle des MfS. Der Befehl 10/73 hatte mit der Errichtung (dem Bau) der geschützten Führungsstellen an sich überhaupt nichts zu tun. Er zeigte nur auf welche Maßnahmen und Aufgaben zum Schutz dieser Bauwerke und zur Betreibung vom MfS zu erfüllen waren. Der Befehl 10/73 (Filigran) war also kein eigenständiges Bauprogramm des MfS.

 

(Quellen: J. Freitag, Bunker5001 e.V., NVR Protokolle Bundesarchiv.de)