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Komplexlager 12

Jede Armee ist nur so gut wie Ihr Nachschub, darum wurden diese Anlagen/Lager auf dem westl. Teil der DDR in entsprechender Form und Nutzbarkeit angelegt. Eins dieser vier UTA (Untertage Anlagen) befand / befindet sich in den Thekenbergen bei Halberstadt im Harzvorland. Das Komplexlager 12 (kurz: KL 12). Das "KL 12" war die flächenmäßig größte Bunkeranlage in der ehem. DDR. Umbauter Raum: Bruttofläche 40.000 m², ca. 13 km Stollengänge. Schutzklasse zur Projektierungszeit: C.

Erst jüngst wurde mir durch einen der letzten Beteiligten des Bauwerks der Begriff "Komplexlager" erklärt. "Komplexlager" definiert nicht den Zustand oder die Vollkommenheit bzw. sagt nichts über die Anlage selbst aus. "Komplexlager" steht für die Eingelagerten "Komplexe", sprich die zu "Komplexen" gelagerten Munitionsvorräte.

Das Komplexlager 12 (kurz: KL 12). Das KL 12 war die flächenmäßig größte Bunkeranlage in der ehem. DDR. Umbauter Raum: Bruttofläche 40.000 m², ca. 13 km Stollengänge. Schutzklasse zur Projektierungszeit: C.


Da in den letzten Kriegsmonaten die Bombenangriffen der Alliierten auf Städte und Industrieanlagen in immer kürzeren Abständen mit immer mehr Präzision zunahm, wurde in Deutschland zum Ende des 2. Weltkrieges begonnen kriegswichtige Industrieanlagen aus den Städten in eigens dafür geschaffene unterirdische Anlagen zu verlegen. Es entstanden die U-Verlagerungen. In den Thekenbergen ließ das NS Regime die Untertage (U) - Verlagerung (Deckname: Malachit) der Junkers-Werke Dessau von Häftlinge des KZ Buchenwald unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den Berg treiben. Dabei verloren rund 7000 Häftlinge ihr Leben. Heute erinnert ein Gedenkstein und ein Museum in Langenstein-Zwieberge an dieses Verbrechen.

Nach 1945 wurde diese Stollenanlage von der Roten Armee beschlagnahmt. Bis 1948 demontierten die Streitkräfte der GSBSD alle Technischen Anlagen und bereitete das Stollensystem auf die Sprengung vor. Dem Widerspruchs des Bürgermeisters von Halberstadt bei der sowj. Militäradministration ist es zu verdanken, dass dieses Vorhaben einer intensiven Prüfung unterzogen wurde und später nicht mehr verwirklicht wurde.
Bis 1976 blieb es still in den endlosen Stollen, bis die NVA sie übernahm und ausbauen wollte. Auf Grund finanzieller- und Planungstechnischer Mängel konnte nur der wichtigste Teil des Stollensystems ausgebaut und für die Hermetisierung und Lagerung umgebaut werden. Gleise wurden in den Hauptstollen verlegt und es entstand eine Güterempfangsbereich mit kompletter Laderampe für einen Güterzuges. Somit war es möglich einen Güterzug mit mehreren Waggons in den Tunnel einfahren zulassen. Zusätzlich entstanden Lagerstollen, Bereitstellungsräume, Versorgungs- und Arbeitsräume. Die vielen Altstollen ließ man sichern, absperren und ungenutzt zurück.

Im Jahre 1983 wurde das KL-12 (Objekt 16/630) seiner Nutzung bestimmend übergeben. Von nun an beherbergte dieses Komplexlager alles was die Vereinten Streitkräfte im Verteidigungsfall benötigten. Bis 1990 wurden dort oberirdisch Bekleidung und unterirdisch ca. 20.000 Tonnen Munition eingelagert. Ob die Anlage nach Entleerung im E-Fall für einen anderen Zweck, der Nachnutzung, vorgesehen war ist mir abschließend nicht bekannt. Es gibt dazu unterschiedliche Meinungen.

Im Jahre 1991 übernahm zunächst die Bundeswehr diese Anlage und nutzte sie bis 1995 als Depot. Im Jahre 1991 beschloss die KfW und die ehem. DDR Staatsbank dieses Stollensystem als Lagerplatz für das unbrauchbar gewordene DDR Geld zu nutzen und lagerte in 2 Stollen der Anlage ca. 100 Mrd. Mark der DDR in Form von Papiergeld, Sparbüchern und sonstigen Wertpapieren ein. Man hoffte wohl, dass es dort verrottet. Der Gedanke war gut, aber er verfehlte sein Ziel um einiges. Denn sorgsam in Plastik und Jutesäcken verpacktes Geld verrottete nicht und Einbrechern gelang es in die Anlage einzudringen und etliche Geldscheine zu entwenden. Diesen Umstand nahm man 2002 zum Anlass, das Geld abzutransportieren und in einer Müllverbrennungsanlage bei Helmstedt zusammen mit Hausmüll zu verbrennen. Ende Juli 2002 war dann der größte Teil der etwa 3000 Tonnen "Altlasten" abtransportiert und die Anlage wurde wieder versiegelt.
Seitdem gab es immer wieder Menschen die dieser Anlage schwer zusetzten, indem Sie sämtliches Metall entwendeten, Einrichtungen zerstörten oder Brände legten. Dieser Minderheit ist es wahrscheinlich auch zuverdanken das der Schutz für diese Anlage nicht gewährleistet werden konnte. Ungeklärte Eigentumsverhältnisse und selbst ernannte Eigentümer ohne Perspektiven taten Ihr übriges. Ernstzunehmende zwischenzeitliche Nutzungsideen privater Investoren verliefen auf Grund der Größe der Anlage und der unsicheren Eigentumsfrage im Sande. (Stand: 2009)

In jüngster Zeit fanden hier Dreharbeiten für den Film "The Monuments Men" statt.

Ein Foto der letzten offiziellen Begehung am 28.02.2015:

Komplexlager12

(Quellen: Programm "Delphin", "Filigran", Archiv Heimatgalerie")

 


 

 


 

Weitere Komplexlager der NVA waren:

  • Komplexlager 2 bei Blankenburg (SK: C, 67 ha), bis heute von der Bundeswehr als Sanitätsdepot genutzt
  • Komplexlager 22 bei Rothenstein (SK: C, 40 ha)
  • Komplexlager 32 bei Lohmen (SK: C, 56 ha)
  • Komplexlager 22a bei Großeutersdorf/Kahla (SK: C)

(Quellen: Programm "Delphin", "Filigran", Archiv Heimatgalerie")