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Die GSSD im Focus der Geschichte

Die "Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland" (GSSD)

Der Sieg des Bolschewismus im Jahre 1922 war die Geburtsstunde der "Рабоче-крестьянская Красная Армия (РККА)", der "Roten Armee". Ein Jahr nach dem Ende des 2. Weltkrieges erfolgte eine Strukturveränderung und die Umbenennung der "Roten Armee". Am 26. Februar 1946 wurde aus der "Roten Armee" und der "sowjetischen Marine" die "Советская Армия (СА)", die "sowjetischen Streitkräfte". Ihr Anfangsbestand an Angehörigen im Jahre 1946 von 11.300.000 Soldaten, verringerte sich bis 1948 auf 2.700.000 Mann.
Rückblick:
Nach dem 09. Juni 1945 wurden verschiedene Truppenteile, Einheiten, Verbände und Armeen aus den Beständen der 1. und 2. Belorussischen Front, sowie der 1. Ukrainischen Front herausgelöst und bildeten die personelle und technische Grundlage eines militärischen Besatzungsteils, der sich "Gruppe der sowjetischen Besatzungsstreitkräfte" (GSBStD / ГСОВГ) nannte. Die Leitung der Gruppe der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland und der Posten des Chefs der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) lag in den Händen einer Person (Marschall Schukow), dies führte zu komplizierten Abhängigkeiten und sorgte für eine Menge Probleme. Nie zuvor war es in der Geschichte vorgekommen, dass ein kapitulierendes Staatsgebilde von vier Siegermächten besetzt und der Wiederaufbau des stark zerstörten Landes im Rahmen einer Besatzung erfolgen sollte. Bis 1946 hatte die Verwaltung der GSBStD Ihren Sitz im früheren Gebäude der Reichsverwaltung des DRK in Potsdam-Babelsberg. Im Jahre 1946 wurde der Umzug nach Wünsdorf vollzogen. Andere zentrale Einrichtungen der Besatzungsgruppe (später GSSD), verblieben hingegen in Potsdam.
Bereits in den ersten Nachkriegsjahren reduzierten die hier in Ostdeutschland stationierten Landstreitkräfte der GSBStD, zum Beispiel durch den Abzug der 5. Stoßarmee (Olympisches Dorf) und der 47. Armee (Woltersdorf). Es verblieben vorerst 6 Armeen der Landstreitkräfte und eine Luftarmee in Ostdeutschland stationiert. Eine weitere Reduzierung erfolgte 1957 durch den Abzug der 18. Armee aus Forst Zinna. Nicht vergessen werden soll in diesem Zusammenhang, die Rückgabe der Souveränität an Österreich und der Abzug der Truppen aus Österreich.


Protokoll über die Besatzungszonen und die Verwaltung von Groß-Berlin (13. August 1945)

Potsdamer Abkommen vom 02. August 1945

Erklärung zur Niederlage Deutschlands und der Übernahme der obersten Regierungsgewalt von Deutschland durch die Regierungen Großbritanniens, der USA und der UdSSR und durch die Provisorische Regierung der Französischen Republik

Auch die DDR wurde verpflichtet, an die UdSSR Reparationsleistungen, in Folge der Kriegsschäden abzuführen. Dies erfolgte zum Größteil in Form von Sachleistungen/Werten aus VEB Betrieben oder aber auch mit, durch SMAD Befehl gegründete, SAG bzw. SDAG Unternehmen. Unkommentiert eingefügt, der "Erfüllungsstand des Reparationsplanes 1949 - Allgemeine Aufstellung für die DDR"

Am 25.03.1954 wurde durch die Regierung der UdSSR einseitig in einer diplomatischen Note, die volle Souveränität der DDR erklärt. Wichtigster Inhalt dieser Erklärung (neben weiteren Punkten) war:

  • Die Sowjetunion nimmt mit der Deutschen Demokratischen Republik die gleichen Beziehungen auf, wie mit anderen souveränen Staaten. Die DDR wird die Freiheit besitzen, nach eigenem Ermesen über ihre inneren und äußeren Angelegenheiten einschließlich der Frage der Beziehungen zu Westdeutschland zu entscheiden.

  • Die Sowjetunion behält in der DDR die Funktionen, die mit der Gewährleistung der Sicherheit in Zusammenhang stehen und sich aus den Verpflichtungen ergeben, die der Sowjetunion aus den Viermächteabkommen erwachsen.

  • Die Überwachung der Tätigkeiten der staatlichen Organe der DDR, die bisher vom Hohen Kommissar der Sowjetunion in Deutschland wahrgenommen wurde, wird aufgehoben.

Die Umbenennung der GSBStD in GSSD erfolgte einen Tag später. Die letzte Entscheidung der sowjetischen Kontrollkommission (SKK) war die Trennung von Besatzungstruppen (militärischer Teil) und Verwaltung.
Der am 20.09.1955 geschlossene Staatsvertrag zwischen der UdSSR und der DDR schrieb weitere Fragen und Regelungen, betreffend den Gesamtkomplex der Anwesenheit sowjetischer Streitkräfte in der DDR, fest. Er besiegelte gleichzeitig das Ende der Besatzungszeit mit Besatzungsrecht. Denn im Artikel 1 heisst es "die Souveränität gegenseitig geachtet und die Nichteinmischung in innere Angelegenheiten". Mit dieser neuen rechtlichen Grundlage war die GSSD keine Besatzungsmacht mehr.
Gefestigt wurde dieser neue Status u.a. mit Übergabe der Sicherung der Staatsgrenze der DDR an die Grenztruppen der DDR im Jahre 1957. 1957 folgte der "Vertrag über zeitweilige Stationierung sowjetischer Streitkräfte in der DDR" (12.03.1957). Dieser Vertrag schuf eine neue rechtliche Grundlage, aber auch neue Verpflichtungen und Abhängigkeiten, die die DDR noch viele Jahre ihres Bestehens politisch, wirtschaftlich und militärisch begleiten sollten. 

In der Tageszeitung "Neues Deutschland" vom 14.03.1957 wurde dieser Vertrag in Auszügen abgedruckt.

Wortlaut des Vertrages (Quelle BA).
Es gab in den nachfolgenden Monaten noch etliche Ergänzungen, Erweiterungen und Nachträge zu diesem Abkommen. Eines dieser weiteren wichtigen Abkommen (neben Abkommen über Rechtshilfe und Schadenersatzansprüche) war das "Inanspruchnahmeabkommen" von 07/1957, welches die Nutzung von Objekten und Leistungen (Post, Funk, Fernmelde und Eisenbahn) und Nutzung von Energie, Gas, Handels- und Bauleistungen vertraglich festschrieb.
Im Jahre 1988 wurde auf drängen der Staatlichen Plankommission der DDR (SPK) eine Analyse über die genutzten Flächen und Gebäude der GSSD begonnen. Während der Auswertung der Analyse stellte man schnell fest, dass zwischen dem Wortlaut aus den Verträgen und der praktischen Umsetzung, eine große Verständnisslücke klaffte. Mit dieser Analyse kam so manches Problem zum Vorschein, mit dem man in der Führung der DDR weder gerechnet hatte, noch sich erinnern konnte dies oder jenes vereinbart zu haben. Dennoch wurden von der gegründeten Arbeitsgruppe alle diese aufgegriffenen und entdeckten Probleme und Fehlinterpretationen sehr genau aufgelistet. Allerdings hielt man es für Angebracht, nicht alle Fehler und Unstimmigkeiten sofort und in vollem Umfang dem großen Bruder mitzuteilen. Die Ergebnisse der Analyse mündeten dann schließlich am 08.12.1988 in einem "Beschluß zur Verbesserung der Anwendung des Abkommens vom 12. März 1957 zwischen der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik und der Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über Fragen, die mit der zeitweiligen Stationierung sowjetischer Streitkräfte auf dem Territorium in der Deutschen Demokratischen Republik zusammenhängen - Stationierungsabkommen - sowie seiner Folgedokumente"

Die wichtigste und zugleich belastenste Vertragsregelung aus dem Jahre 1957 war, dass die DDR prozentual oder komplett für die Baukosten der sowjetischen Einrichtungen aufkommen musste.
Jedoch lassen sich sämtliche Baukosten und Leistungen nicht pauschal bewerten, denn jede oder viele Bauvorhaben sind einzeln zu bewerten. Denn es gab durchaus für einzelne Bauvorhaben auch gesonderte Abkommen. Dies betraf z.B. die Frontbasen (Lychen und Stolzenhain), hier erfolgte der Rohbau der gesamten Kaserne und der Lagerbunker. Die Spezialausrüstung kam jedoch aus der UdSSR und wurde von sowjetischen Spezialisten selbst eingebaut. In dieser Bauphase (Finale Fertigstellung der Lagerbunker) waren die Bautrupps der NVA längst abgezogen.

Bei den Basen der OTR-22 (z.B. Wokuhl) musste auf Grund der Vornstationierung und dem Faktor ZEIT, Baumaterial und Bauleistungen von Seiten der DDR bereitgestellt und erbracht werden. Aufgrund der Entfernung und der eiligen Vornstationierung (diese wurde notwendig, weil sich die Vorwarnzeit durch die Stationierung der Marschflugkörper und der Pershing II auf 2 Minuten verkürzte) musste so gehandelt werden.
Bei Objekten oder Bauten die die GSSD für eigene Zwecke baute, wurden nur Baumaterialien und Leistungen für Bauten der Versorgung (Heizhäuser, Trafostationen, Strassen und Anbindungen der Post) von der DDR bereitgestellt, da diese Bauten der Versorgung meist in DDR eigene Anlagen übergingen.

Darüber hinaus regelte ein weiteres Abkommen welcher Nutzer in den jeweiligen Objekten welche Kosten zu tragen hatte, wenn Objekte im Rahmen des Warschauer Vertrages genutzt wurden. Immer ausgehend vom Nutzungsanteil der späteren "Bewohner".
Schließlich diente noch die eigens für die Bauleistungen der sowjetischen Truppen geschaffene "Bauunion" als Zentraler Bauträger. Der später in "VEB Spezialbau Potsdam" umgenannte Bauträger war in 17 Betriebsteile gegliedert. 15 davon waren mit Bauaufgaben beauftragt, 1 Betriebsteil mit der Projektierung, der andere mit Versorgungsaufgaben. Der Betrieb selbst war dem Ministerium für Bauwesen zugeordnet. Personalbestand war Mitte der 80er Jahre 4400 Arbeiter und Angestellte. Diese Bauleistungen entsprachen den staatlichen Auflagen. Das Produktionsvolumen lag jährlich im dreistelligen Millionenbereich. 

Unterm Strich entstanden der DDR Kosten, die den Haushalt immens belasteten. Denn nun hatte die DDR nicht nur ihre eigene Armee und ihre Sicherheitsbehörden zu finanzieren, sondern auch die hier stationierten sowjetischen Streitkräfte. Was sich in den horrenden Stationierungskosten von jährlich 800 Mill. Mark widerspiegelte.

Beispiel:
Wohnungsbau für die GSSD
Einzig Führungsstellen, die die Gruppe selbst nutzte und Objekte die sensibel waren (Falkenhagen) baute sie komplett selbst. Mittel und Bauleistungen kamen alle aus der UdSSR. Dafür waren in der DDR mehrere Spezialbaubatallione und eine Spezialbaubrigade (Forst Zinna) in den Armeestäben für Bauvorhaben vorhanden und einsatzbereit. Hauptsitz des Spezialbaustabes war Wünsdorf.     

Da in verschiedenen Publikationen und anderen Medien oft von der "Bedrohung aus dem Osten" geschrieben und gesprochen wird, halte ich es für angebracht, etwas über die Beschlüsse und Maßnahmen zuschreiben, die letztlich die GSSD beeinflusst haben könnten in der letztlich bekannten Truppenstärke in der DDR vertreten zu sein. Denn eigentlich wollte „man“ gar nicht solange in der DDR bleiben.
Es geht dabei lediglich darum, die Notwendigkeiten neutral aufzuzeigen, die einige Handlungsweisen und Entscheidungsfindungen beeinflusst haben könnten.

Bei näherer Betrachtung der Ereignisse seit Beginn der 50ziger Jahre fällt auf, dass die Konfrontation überwiegend aus Richtung Westen kam und die sowjetische Seite immense Summen aufwenden musste um ein militär-strategisches Gleichgewicht zu erhalten bzw. dieses anzustreben. Eines der interessantesten Indizien für eine Nichtangriffsabsicht der UdSSR bzw. der Vereinten Streitkräfte der Warschauer Vertragsstaaten, war, wie von A. Gribkow beschrieben, die Tatsache das erst 1980 im PBA (Politisch Beratender Ausschuss) die "Konzeption der Vereinten Streitkräfte der Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages und ihrer Führungsorgane in Kriegszeiten" bestätigt wurde. Seit 1955 gab es keinerlei Dokumente die festlegten, wer wie in Kriegszeiten handeln sollte bzw. die VSk führen sollte.[1]

Nachfolgende Grafiken zeigen welche der beiden Weltmächte zu welcher Zeit über ein grösseres Arsenal verfügte, wann welche Summen im Haushalt einplante und wie viele Tests in welchen Jahren ausgeführt hat. In der 1. & 2. Grafik ist zu sehen das das Gleichgewicht seitens der Sowjetunion bei den A-Sprengköpfen erst 1978/79 erreicht war.



Bedrohungsszenarien und wichtige Beschlüsse der NATO-Führung zu politischen und militärischen Leitlinien der Militärdoktrin:

1945: Der Abwurf der beiden US amerikanischen Atombomben über Japan hatte keinen Militär-Strategischen Charakter, sondern diente allein der politischen Machtdemonstration der USA. [1]
1945: Von 1945-1960 plante das Pentagon die nuklearen "massiven Präventivschläge / First Strike" gegen die UdSSR. Während man sich 1945 noch auf 20 ausgewählten Städten in der UdSSR festlegte, waren es 1957 schon 3261 Ziele in der UdSSR. [1]
1945: Nach Ende des Krieges existierten im Westteil Deutschlands noch Kampfformationen der Wehrmacht die zwar entwaffnet, aber nicht aufgelöst waren. Waffen und Technik wurden eingelagert. Dies widersprach dem Potsdamer Abkommen. [1]
1948: Großbritannien, Frankreich, Belgien, Niederlande und Luxemburg unterzeichnen den "Brüsseler Pakt". Abschluss als westeurop. Union und Einleitung der Konsolidierung der westeurop. Länder. Gründung eines neuen militärpolit. Bündnisses Westeuropas, der USA und Kanada. [1]
1949: Beschluss der "integrierten Verteidigung des Nordatlantischen Gebiets".
1949: Gründung der NATO (April 1949).
1949: 01.10.1049 die Bundesrepublik Deutschland (BRD) wird gegründet. Dies widersprach dem "Potsdamer Abkommen" eines einheitlich demokratischen deutschen Staates. Gründung der DDR (07.10.1949).  
1952: Verabschiedung der ersten Vorgaben für die Streitkräfteplanung der Mitgliedstaaten (NATO Force Goals) für die folgenden 2 Jahre. [3]
1952: Übernahme der militärstrategischen Konzeptionen des "Zurückrollens" (Roll Back) mit Annahme des Dokuments "MC 14/1". [3]
1952: Westmächte lehnen den Entwurf (10.03.1952) der UdSSR über ein Friedensvertrag mit Deutschland, in Anlehnung an das Potsdamer Abkommen, ab.

Vollständiger Text der Note (Note der Sowjetregierung an die Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs über den FRIEDENsvertrag mit Deutschland)

1954: Unterzeichnung der Pariser Verträge über den Beitritt der BRD zur NATO, Bildung der Westeuropäischen Union, Stationierung ausländischer Streitkräfte auf Ihrem Territorium der BRD und die Bildung einer einheitlichen militärischen Struktur der NATO. [3]
1954: USA, Frankreich und Großbritannien lehnen den Vorschlag (31.03.1954) der UdSSR auf Aufnahme in die NATO ab, Begründung:"[...] die Mitgliedschaft der UdSSR würde den Charakter der NATO verändern". Dem Vorschlag der UdSSR beide Bündnisse aufzulösen wurde nicht gefolgt. 
1955: Gründung des Militärbündnisses "Warschauer Vertrag" (14.05.1955, "Warschauer Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand"), Beschluss zur Ausrüstung der NATO-Streitkräfte mit Kernwaffen und Verstärkung der Luftverteidigung. [3]
1956: Anerkennung der militärstrategischen Konzeption der "Vornverteidigung / Forward Strategy" (Dokument Military Council [MC] 14/1, 1952-1957, "MC 14": Strategic Guidance for North Atlantic Regional Planning) der BRD als verbindlich für die NATO.
1957: Bestätigung der militärstrategischen Konzeption der "Massiven Vergeltung / Massive Retailiation" mit Annahme des Dokuments "MC 14/2" und des Beschlusses zur Unterstellung strategischer Raketen mittlerer Reichweite der USA unter die Befehlsgewalt des Oberbefehlshabers der NATO Streitkräfte Europa (SECEUR, Systeme "Thor" und "Jupiter"). [3]
1957: "Furtherance-Eisenhower Instructions", bei einem Angriff auf die USA und / oder Tod des Präsidenten Auslöschung der UdSSR und China mit nuklearen Mitteln, bei Abwesenheit des Präsidenten kann das "SAC" Kernwaffen gegen die UdSSR einsetzen, schließen einer nichtvorhandenen Raketenlücke zur UdSSR. [ 
1957: Beschluss des Obersten Sowjets der UdSSR zu Fragen der Außenpolitik der Sowjetregierung. Inhalt: Anwendungsverzicht von Atom- und Wasserstoffwaffen, Verzicht von Atom Versuchen, Verzicht auf Unterbringung von Kernwaffen in            Gesamtdeutschland, Kürzung der Streitkräfte, Nichtangriffsabkommen und Beendigung der Kriegspropaganda. Dieser Beschluss wurde als "propagandistische Geste" gewertet und die Aufrichtigkeit dieses Beschlusses angezweifelt.
1958: Stationierung der Systeme "Thor" (Project Emily) im Verfügungsbereich der NATO (in England). UdSSR antwortet darauf mit der Stationierung der R-5M in der DDR (Vogelsang und Neuthymen).
1959: Appell des Obersten Sowjet der UdSSR an die Parlamente der Welt. Inhalt: "[...] der gesamten Menschheit den Weg zu einem dauerhaften Frieden zu öffnen". Resultat: NULL. Das SAC (Strategic Air Command) gibt eine Zielprioritätenstudie für die meisten großen Städte der Warschauer Vertragsstaaten heraus, u.a. Ostberlin, Moskau, Warschau und Budapest (Liste1) - (Liste2)
1960: weiterer Appell des Obersten Sowjet der UdSSR an die Parlamente der Welt. Inhalt: einseitiger Beschluß der UdSSR zur Reduzierung der Streitkräfte um 1,2 Mio. Mann, Reduzierung der Rüstungsausgaben und Abzug der Truppen aus Rumänien im laufenden Jahr 1960.
1960: Beschluss über die Integration der Luftverteidigung der NATO (NADGE).
1962: Annahme der Athener Richtlinien (welche Bedrohungslage muss vorliegen um Kernwaffen einzusetzen - Kernwaffeneinsatzprinzip).
1962: SIOP62, Aufbau eines massiven Kernwaffenpotenzials, das es möglich machen würde, die UdSSR (706 Ziele) und China zu vernichten.
1963: Beschluss über die Unterstellung der strategischen Kernwaffeneinsatzkräfte Großbritanniens und von 3 strategischen U-Booten der USA unter die Befehlsgewalt des SECEUR und zum Einsatz der taktischen Kernwaffen. [3]
1963: volle Durchsetzung der "Vornverteidigung" als militärstrategische Konzeption der NATO, Grundlage für die Operationsplanung der NATO Streitkräfte Zentraleuropa. [3]
1967: Verabschiedung der ersten Ministerrichtlinie für die Streitkräfteplanung der Mitgliedstaaten der folgenden 2 Jahre (Ministerial Guidance). [3]
1967: Bestätigung des "Berichts des Rates über die künftigen Aufgaben der Allianz" (Harmel-Bericht) als politische Leitlinien der Militärdoktrin. Bestätigung der militärstrategischen Konzeption der "Flexiblen Reaktion / Flexible Response" mit Annahme des Dokuments "MC 14/3", Inhalt: Abschreckungs- und Eskalationsstrategie mit flexiblen Reaktionsmöglichkeiten (konv. SK, ICBM, SLBM, strateg. FK, nuklear-takt. SK) wegen Bedrohung durch Warschauer Vertragsstaaten. Erstmalige Verabschiedung eines 5-Jahres-Streitkräfteplans (Conceptional Planing-Mid-Term Planing). [2], [3]
1967: Annahme von Dokumenten zum Einsatz taktischer Kernwaffen, von Kernminen sowie zu den Konsultations- und Freigabeverfahren für den Kernwafenerst- und folgeeinsatz. [3]
1969: Beschluss über "Maßnahmen zur Verstärkung der präsenten Streitkräfte des Bündnisses in Spannungszeiten. [3]
1970: Verabschiedung des Grundsatzdokuments für die Entwicklung und die Aufgaben der NATO und ihrer Streitkräfte in den 70er Jahren (Dokument AD-70 "Verteidigung des Bündnisses in den 70er Jahren"). [3]  
1971: Billigung des Programms der Eurogroup zur Verstärkung der europäischen NATO-Streitkräfte (European Defence Improvement Programme - EDIP) und Beschluss über die Schaffung des integrierten Fernmeldesystems der NATO (NATO Integration Communication System - NICS) sowie über "Maßnahmen zur Durchsetzung von Grundsätzen der militärstrategischen Konzeption der USA der Realistischen Abschreckung" (Realistic Deterrence). [3]
1972: "Konzept für die Rolle der Kriegsschauplatzgebundenen Kernwaffeneinsatzkräfte im Bereich SECEUR" (Triade Forward based System).
1974: Erklärung des NATO-Rates über die "Festigung der Atlantischen Beziehungen" zur Hintertreibung der auf Initiative der sozialistischen Staaten eingeleiteten Entspannungspolitik. [3]
1978: Beschluss über die Vorbereitung von Dokumenten zum Ausbau und zur Modernisierung der Kernwaffen der NATO Streitkräfte.
1978: Annahme der "Ost-West-Studie" mit der die Beziehungen zur sozialistischen Staatengemeinschaft im Sinne des für die 80er Jahre eingeleiteten Konfrontationskurses neu geregelt werden sollten und Verabschiedung des NATO Langzeitprogramms (Long Term Defence Programme / LTDP). mit dem in 10 Punkten zusätzliche Maßnahmen zur Stärkung der NATO-Streitkräfte beschlossen wurden (Nötigung der UdSSR zur Hochrüstung). [3]
1978: "Direktive 59", Inhalt: Der Nukleare Erstschlag und die Ausweitung der Erstziele für den Einsatz von Kernwaffen (SIOP).[2] 
1979: Beschluss anläßlich des 30jährigen Bestehens der NATO über den weiteren Ausbau der NATO-Streitkräfte (Hochrüstung), die Stärkung der Zivilverteidigung, die kurzfristige Heranführung von Verstärkungen und die engere Rüstungskooperation. [3]
1979: Beschluss über die Stationierung strategischer Raketen mittlerer Reichweite der USA in Europa (Pershing II und bodengestützte Marschflugkörper) und über Rüstungskontrollfragen (Sicherung der Aufdeckung des militärischen Potentials mittels Rüstungskontrolle). [3] Die Vorwarnzeit (und Reaktionszeit) singt für die Warschauer Vertragsstaaten auf ca. 2 Minuten. Damit erfüllten die Pershing II den Erstschlagcharakter. Die UdSSR antwortete u.a. mit der Verlegung (im Sicherungskomplex "Antwort") der Systeme OTR-22 in die DDR (Waren, Wittstock, Strelitz-Alt, Bischofwerda, Neuthymen, Königsbrück).
1980: Beschluss zur Unterstützung von Mitgliedstaaten (besonders USA) bei Einsatz deren Streitkräfte außerhalb des NATO-Gebiets (Bereitstellung zusätzlicher Kräfte und Mittel als Ausgleich für abgezogene). [3]
1981: Beginn der sowjetischen Operation "RYAN" durch Residenturen des KGB und der GRU (17.02.1981), die Führung in Moskau erwartete seit Amtsantritt von R. Reagan jeden Augenblick den "Raketno Yadernoye Napadenie" (nuklearen Raketenangriff). Pershing II, R. Perle (Beisitzender Verteidigungsminister der USA) und Pläne für den begrenzten Nuklearkrieg, der als führbar und als gewinnbar galt, taten ihr übriges. Die Operation "RYAN" beinhaltete eine lange Liste von möglichen Indikatoren die auf Angriffvorbereitungen im E-Fall durch die NATO (Erstschlag) hindeuten könnten. R. Rupp (MfS HV A) alias "Topas" konnte die sowjetische Seite durch seine Tätigkeit im "CIG" (Current Intelligence Group/NATO Lagezentrum) vom Gegenteil überzeugen. Siehe dazu auch: "Did East German Spies Prevent a Nuclear War?" (V. Mastny) [2] 
1982: Beschluss über die Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Volksrepublik Polen.
1982: Bonner Erklärung der Regierungschefs über die Haltung der NATO und ihrer Mitgliedstaaten zur Rüstungskontrolle und Abrüstung ("Sicherheit" durch Stärke, asymmetrische Abrüstung). [3]
1983: Beschluss von Montebello (Sitzung der nuklearen Planungsgruppe) über die Modernisierung der verbliebenen taktischen u. operativ taktischen Kernwaffen der NATO auf Grund der des Abzugs veralteter atomarer GK aus Europa.
1983: Annahme des Konzeptes "CANOPY WING" (ELOKA / Vorbereitung von "chirurgisch sauberen Enthauptungsschlägen gegen die Führungsstellen des Vereinten Oberkommandos der Warschauer Vertragsstaaten und des Generalstabs mit dem Ziel der Unfähigkeit zu atomaren Antwortschlägen, "Zur Vorbereitung eines Angriffs durch die NATO mussten die Führungszentren des Gegners aufgeklärt, durch elektronische Maßnahmen arbeitsunfähig oder durch selektiven Waffeneinsatz zerstört sein!"). Dieses Konzept war KEINE Verteidigungsplanung. [2]
1983: Stabsrahmenübung "Able Archer 83" (02.-11.11.1983,
Einbeziehung nuklearer Mittelstreckenraketen, absolute Funkstille, Einführung eines neuen Codierungs-Formats für die Nachrichtenübermittlung, Einbindung aller Staatsoberhäupter der NATO-Mitgliedsstaaten, DEFCON 1 wurde simuliert), Operation "RYAN" erreicht hohe Krise. "Able Archer simulierte den begrenzten Kernwaffenkrieg".     
1983: Beschluss von Montebello über die Modernisierung der taktischen und poeratov-taktischen Kernwaffen der NATO (Raketen, Artilleriesysteme, Kernbomben und -granaten). [3]
1984: Beschlüsse der "Europäischen Programmgruppe" (Independent European Programme Group - IEPG) zur Ausnutzung von Spitzentechnologien für die Militärtechnik und über eine engere Zusammenarbeit bei der militärtechnischen Forschung und Entwicklung. [3]
1984: Verabschiedung der "Langfristigen Planungsrichtlinien für die Bekämpfung von Folgestaffeln des Warschauer Vertrags" bin in eine Tiefe von 800 km. (Long-term Planning Guideline - "Follow on Forces Attack" / "FOFA", "Direktive MC 299")", Erweiterung des Prinzips der "Vornverteidigung". [3]
1985: Beschluss zum Übergang zur langfristigen Streitkräfteplanung (20 Jahre) mit Annahme des NATO-Dokuments MC 299 (Conceptional Military Frame work) und zur Stärkung der konventionellen Kampfkraft der NATO-Streitkräfte (Conventional Defence Improvements - CDI). [3]
1986: Verabschiedung der "Allgemeinen Politischen Richtlinien für den Kernwaffeneinsatz durch die NATO" (General Political Guidelines for Employment of Nuclear Weapons in Defence of NATO). [3]
1986: Brüsseler Erklärung über konventionelle Rüstungskontrolle mit Forderung nach einseitigen Vorleistungen seitens der Staaten des Warschauer Vertrags im Rahmen von Verhandlungen über "konventionelle Stabilität" in Europa. [3]
1987: Bestätigung des überarbeiteten und mit über das Jahr 2000 hinaus reichenden detaillierten Festlegungen für die NATO-Oberkommandos versehenen militärischen Rahmenkonzepts für die Langzeitplanung "MC 299 / 1". [3]
1987: Bestätigung des "Systems der konventionellen Rüstungsplanung der NATO" (Anwendung der CDI). [3] Der INF Vertrag zwischen der UdSSR und den USA wird 1987 in Washington unterzeichnet und tritt am 01.06.1988 in Kraft (INF Vertrag)
1988: Bestätigung der politischen und militärischen Richtlinien der Militärdoktrin der NATO, besonders der "Politik der Abschreckung", der "Flexiblen Reaktion" und der Prinzipien des Kernwaffeneinsatzes durchj die Regierungschefs der NATO-Staaten, sowie dazu gestellter Forderungen zu deren stärkeren materiell-technischen und poitisch-psychologischen Absicherung entsprechend den neuen Lagebedingungen. [3]

Zur Politik der Entspannung sollten weitere konkrete Schritte zur Rüstungsbegrenzung und Abrüstung beitragen. Daher kam Anfang (Mai) 1987 der Beschluss die bestehenden Militärdoktrin zu verändern, da das strategische Denken in der politischen und militärischen Führung des Warschauer Vertrages hier Handlung verlangte. Im Zuge des Wechsels der Doktrin vom Offensiv zum Verteidigungscharakter
"Die Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages werden niemals und unter keinen Umständen militärische Handlungen gegen einen beliebigen Staat oder ein Staatenbündnis beginnen, wenn sie nicht selbst einem bewaffneten Überfall ausgesetzt sind. Sie werden niemals als erste Kernwaffen einsetzen."
wurden konkrete Schritte auf Seiten der WV Staaten beschlossen (Abzug von Luftsturmbataillonen, der 16. Luftarmee, der 25. PD, der 32. PD und weiterer Truppenteile). Diese Tatsachen verdeutlicht auch das NATO Dokument MC 161. Auch die NVA reduzierte 1989 (laut Beschluss des NVR vom 21.01.1989) ihre Streitkräfte um 10.000 Mann (reduziert um: 6 Panzerregimenter, 1 Jagdfliegergeschwader).

Vor Inkraftreten des INF Vertrages 1987 ging es in der Frage der Militär-Strategischen Geichgewichtes nicht mehr nur um das "Recht eines jeden souveränen Staates seine Grenzen und sein Land gegen jede Militärische Gewalt von außen" zu schützen. Es ging in der Zeit des Wettrüstens (für die USA stand Entspannung und Gleichgewicht zu dieser Zeit nicht auf der Tagesordnung [2]) für beide Militärbündnisse nur noch um die Frage zum Erhalt des "Status Quo".

Stand: Mai 2017

Es versteht sich wohl von selbst das sich die Texte, Erklärungen und Daten in diesem Bereich verändern können. Das liegt u.a. daran das z.B. einzelne Thesen und/oder Bewiesengeglaubtes widerlegt wird, und sich somit Zusammenhänge ändern. Es kommt auch vor, das mir neue Informationen vorliegen bei denen einzelne bereits geschriebenen Erläuterungen verändert oder rausgenommen werden müssen. Kein Beitrag ist in seiner Endgültigen Fassung.

Quellen: [1] "Der Warschauer Pakt" (A. Gribkow), [2] "Militärspionage-Die DDR-Aufklärung in NATO und Bundeswehr" (Rupp, Rehbaum, Eichner), [3] "Militärdoktrinen der NATO und ihrer Mitgliedstaaten" (Wolfgang Weber),
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