Heimatgalerie - SWL Lychen в/ч пп 73259 - Der Rückbau

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SWL Lychen в/ч пп 73259 - Der Rückbau

Am 01.04.2012 begann auf dem Gelände des SWL Lychen der Rückbau aller Gebäude und versiegelten Flächen. Dem voran gingen umfangreiche Vorarbeiten, Untersuchungen zu Altlasten und diverse Gelände-Vermessungen. In einem ersten Arbeitsschritt galt es, das gesamte Gelände so weit wie nötig von Bewuchs zu befreien, um eine ungehinderte Arbeitsfläche zu schaffen. Zuvor war es durch den Landkreis Oberhavel zum Kauf des Geländes nebst des umliegenden Waldes gekommen.  
Nachdem nun der Rückbau des Geländes im Dezember 2012 nahezu abgeschlossen war, soll der Wald wieder aufgeforstet und zur Holzgewinnung kreiseigener Heizanlagen genutzt werden.

Die beiden Lagerbunker blieben von dem Rückbau jedoch unberührt, wurden massiv gesichert und verschlossen, jedoch nicht verfüllt. Ob ihr "Überleben" von der Beschaffenheit abhängig gemacht wurde oder eine Nutzung in naher Zukunft den Ausschlag gab, ist derzeit nicht bekannt. Konzepte zur Nutzung liegen nach Rücksprache nicht vor.

In naher Zukunft ist durch uns die Anbringung einer Gedenk- bzw. Erinnerungstafel an einem der Lagerbunker geplant. Mit den zuständigen Ämtern und Behörden sind bereits positive Gespräche geführt worden. Demnächst kann ich auf dieses Projekt ausführlicher eingehen.

An dieser Stelle möchte ich mich für die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Landkreis Oberhavel bedanken.

Nachfolgend der Gastbeitrag von Herrn U. Feldmann zum Rückbau des Kasernenkomplex Lychen

"Ich erinnere mich noch gut an jenen Mittwoch, den 13. April 2011 – meine erste Besichtigung des ehemaligen Kernwaffenlagers Lychen II.
Mein erster Eindruck war eine verlassene Kaserne, wie sie auch woanders hätte stehen können. Betrachtet habe ich das Gelände zunächst unter dem Blickwinkel der mir kurz zuvor gestellten Aufgabe: Abriss und spätere Wiederaufforstung.
Nach einigen Terminen vor Ort begann das Interesse für die Geschichte dieses Ortes zu wachsen und ich stellte fest, dass viele Fakten und Informationen bereits umfassend dokumentiert wurden – u.a. auch hier auf HEIMATGALERIE.de.
Das ist viel mehr, als ich es hätte vollbringen können.
Ich hoffe trotzdem, dass durch meine Arbeit und die dabei gewonnenen Erkenntnisse ein kleiner Beitrag hierzu geleistet werden konnte.

In diesem Sinne einige wenige Worte zu meiner <<Lychener Zeit>>:

Die Vorarbeiten waren schon schwierig genug. Unterlagen gab es so gut wie keine. Der von den Russen überlassene Lageplan war unvollständig, teilweise falsch und nicht wirklich zu gebrauchen. Die deutschen Unterlagen waren auch nicht besser. Angaben zu Altlasten waren diffus und wenig aussagefähig. Das Gelände war inzwischen von Grünpflanzen überwuchert, nur einige Wege waren noch begeh- bzw. befahrbar.
Somit fielen als erste Aufgaben das Freimachen und das Vermessen des Geländes an. Parallel dazu wurden die Gebäude auf ihre Beschaffenheit untersucht um somit Aussagen zu den beim Abriss anfallenden Abbruchmassen und Abfällen zu gewinnen.
Im April 2012 begannen dann die eigentlichen Abbrucharbeiten. Zunächst wurden die Asbestdächer abgedeckt und dann der Reihe nach die Gebäude abgerissen.
Die Materialien aus dem Abbruch waren unspektakulär: Beton, Ziegel, Teerpappen, Dämmstoffe, Holz, Schrott, Sperrmüll und Siedlungsabfälle…
Während der Abriss-Arbeiten wurden eine Reihe Bauwerke gefunden, von denen bisher niemand etwas wusste, so eine dritte im Boden verborgene Zisterne, ein im Wald versteckt angelegter Mannschaftsbunker und einige bislang unbekannte Schächte. Für das Heizhaus gab es ein zweites Schornsteinfundament.
Außerdem hatten die Russen im Wald außerhalb des eingezäunten Geländes eine Asche- und Mülldeponie angelegt.
An Abrissmaterialien wurden ca. 35.000 Tonnen abgefahren. Zusätzlich waren ca. 6.000 Tonnen Aschen vermischt mit Abfällen aus dem Wald zu bringen und zu entsorgen.
Ausgeführt wurden die Arbeiten von der Firma Veolia Umweltservice Nord GmbH aus Rostock.
Die fachliche Begleitung der Arbeiten erfolgte durch die AGUA GmbH, Beratende Geologen und Ingenieure aus Angermünde.

Die Abbrucharbeiten waren zum Ende des Jahres 2012 weitgehend abgeschlossen. Im Anschluss erfolgte noch das Beräumen des Waldes von den Aschen und deren Abfuhr. Dies wurde Mitte des Jahres 2013 beendet.

Während der Arbeiten waren wirklich interessante Hinterlassenschaften der Russen kaum noch zu finden. Gefunden haben wir einige Schilder, eine Kiste, einen Stahlhelm und eine Feldflasche.
Interessantester Fund war darüber hinaus ein Foto-Negativ. Wie sich herausstellte, hatten Wehrpflichtige Erinnerungsfotos gemacht."

Lychen, im Juli 2013
Uwe Feldmann
verantwortl. Mitarbeiter des Landkreises Oberhavel

(Quelle Bilder 14-28/Text Zitat: Landkreis Oberhavel/Adolf-Dechert-Str. 1/16515 Oranienburg, Archiv Heimatgalerie)