Heimatgalerie - SWL Lychen в/ч пп 73259

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SWL Lychen в/ч пп 73259

Diese Frontbasen (geschützte Lagerobjekte für Waffen besonderer Bestimmung) für „Sonderwaffen“ unterlagen ausschließlich der sowjetischen Verfügungsgewalt. In beiden Frontbasen (Komplex "4000" und "4001": Stolzenhain und Lychen) sollten die im Handlungsfall eventuell notwendigen, nuklear einsetzbaren Gefechtsköpfe, den im Feld handelnden Truppenteilen und Verbänden der Raketentruppen, auch die der Verbündeten Divisionen und Armeen, zugeführt werden. Die, auf Grund der Bedrohungslage, sinkenden Vorwarnzeiten, machten eine handlungsnahe und sichere Lagerung mit einfach logistischen Ansatz im Einsatzraum notwendig (Faktor ZEIT).

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In diese beiden Frontbasen (Komplex "4000" und "4001": Stolzenhain und Lychen) sollten die im Handlungsfall eventuell notwendigen, nuklear einsetzbaren Gefechtsköpfe, den im Feld handelnden Truppenteilen und Verbänden der Raketentruppen, auch die der Verbündeten Divisionen und Armeen, zugeführt werden. Die Sicherstellung dieser Truppenteile und Verbände der Raketentruppen u. a. mit nuklear einsetzbaren Gefechtsköpfen, die in den Divisionen und Armeen der Verbündeten von den Raketeneinheiten im Handlungsfall erwartet wurden, erfolgte aus diesen Basen über eine ganze Kette weiterer logistischer Abläufe.
Nur wenige Personen kannten die Bestimmung des Objektes und die der Lagerbunker. Dieses Objekt, die Schwesteranlage bei Stolzenhain, sowie weitere Objekte und Anlagen anderer Nutzer, spielten eine erhebliche Rolle bei der Friedensicherung in Europa. Auf Grund einer Entscheidung im Mai 1965, wurden in fast allen Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages vorgeschobene Basen für die Lagerung, Prüfung und teilweise Instandhaltung von nuklearen Gefechtsköpfen für Trägersysteme der Landstreitkräfte gebaut.

Zitat: "Zweck der Objekte war die gesicherte Lagerung von nuklear nutzbaren Gefechtsköpfen für NUR operativ-taktische, später taktische und operativ-taktische Raketen der Raketeneinheiten der Landstreitkräfte der in der Koalition handelnden Truppen der NVA und der sowjetischen Streitkräfte, bzw. der Truppen die von den sowjetischen Streitkräften für den Empfang dieser Einsatzmittel vorgesehen waren. Durch die errichteten Schutzbauwerke sollte die gesicherte, langfristige Lagerung und die Haltung der Einsatzbereitschaft des Lagergutes gewährleistet werden." (P. Rentsch, aus "An vorderster Front")

Notwendig wurden diese vorgeschobenen Lagerbasen aus der Erkenntnis, dass eine schnelle Ausgabe der Mittel im Einsatzfall auch eine handlungsnahe Lagerung im Einsatzraum notwendig machte (Faktor ZEIT). Es zeigte sich, dass vorgelagerte Basen notwendig waren, um die empfindlichen und technisch anspruchsvollen Lagergüter langfristig, sicher und mit einfachem logistischen Ansatz handlungsnah lagern zu können. Die Versorgung der handelnden Truppen, z. B. in der DDR, und die Reaktion auf eine Bedrohungslage waren durch die Führung aus der Sowjetunion heraus nicht mehr Zielführend. Eine sichere und effiziente Organisation war bei sinkenden Vorwarn -und Reaktionszeiten so wie bisher nicht mehr möglich.

Zitat: "Wollte man schnell handeln (reagieren), musste man das vorn tun".

Die Verfügungsgewalt und die Zugriffssicherung über diese Lagermittel unterlag in erster Linie der UdSSR (wie ebenso in anderen Lagern der Bruderländer). Über die Sicherung der Lager und des Lagergutes wachten die Spezialkräfte der 12. Hauptverwaltung des Verteidigungsministeriums der UdSSR (12-е Главное управление МО СССР/ГУМО). Die immer noch weitverbreitete Auffassung der KGB wäre mit der Aufgabe der Lagerung und Sicherstellung der Lagergüter beauftragt gewesen, wird unter Zeitzeugen und Militärhistorikern einstimmig zurückgewiesen. Denn der KGB war mit der Aufgabe der Militärabwehr betraut, nicht aber mit der Lagerung und Sicherstellung der Lagergüter (GK). Des Weiteren wäre der KGB fachlich, organisatorisch und transportlogistisch überhaupt nicht in der Lage gewesen diese Aufgaben sicherzustellen. Das Personal der Militärabwehr hatte nicht einmal Zutritt zu diesen Sicherheitsbereichen der Lagerung. Es gab zwar bis Ende der 50er Jahre (vor der Gründung der 12. HV) im KGB die Ansicht, auch diese Aufgaben im Umfeld der Nuklearwaffenträger ballistischer Art wahrzunehmen, Gefechtsköpfe zu transportieren und Sonderausrüstungen zur Kontrolle und Auslösung der Nuklearreaktion zu verwalten. Mit Gründung der 12. HV wurden diese Aufgaben allerdings in die Hände der Militärs gelegt, und man konzentrierte sich fortan ausdrücklich auf die eigentliche Aufgabe, die Abwehr von Spionage und Sabotage.
Die Aussage, die eingelagerten GK waren für die LaSK der NVA bestimmt, ist irreführend. Denn im Ernstfall hätte es weder die NVA, noch die GSSD gegeben, sondern eben nur die Vereinten Streitkräfte der Warschauer Vertragsstaaten. Die vorgehaltene Menge an Gefechtsköpfen für die in die Vereinten Streitkräfte eingebundenen NVA-Einheiten war gemessen an der Gesamtstückzahl eher gering. Die NVA-Einheiten hätte diese Mittel entweder nur auf Grund einer Entscheidung der politischen Führung in Moskau oder im Krisenfall durch den Obersten Befehlshaber der Streitkräfte der UdSSR (Generalsekretär der KPdSU) erhalten. Erst im Laufe aktiver Kriegshandlungen hätten die Generäle der Armeen und Frontverbände, durch die Freigabe Moskaus, den Einsatz der Kernwaffenmittel selbst planen und durchführen können, wobei die Verfügungsgewalt immer bei der 12. HV blieb. Ihre Aufgabe bestand ausdrücklich darin, die GK im Falle der Verfügung zu den Übergaberäumen zu bringen und dort an die handelnde Truppe zu übergeben. Bei der NVA kannten nur etwa 5 Offiziere die Übergaberäume der Kernwaffenmittel und die damit verbundenen Abläufe.
Die weitläufige Bezeichnung "Lychen II", ist nicht die offizielle Bezeichnung dieser Liegenschaft. Die sowjetischen Streitkräfte benutzten diese Bezeichnung der einfachhalber nach aussenhin. Die Bezeichnung der NVA für dieses Objekt lautete "Lager für Produkt 7/T-7". Dies wiederrum zeigt, wie präzise und weitgreifend die Form der Geheimhaltung gehandhabt wurde. Bekannt ist uns nur der Rufname der Frontbasen innerhalb der Transportorganisation "GLOBUS". Na immerhin!
Bei aller Wertung dieser Lager heutzutage darf nicht vergessen werden, dass die Lager "4000" und "4001" dem damaligen Stand der Lagertechnologie, dem Lagervolumen und dem Lagerregime der Lagermittel der damaligen Zeit entsprachen.

Spätere Mittel waren, in Bezug auf das Lagerregime, wesentlich unempfindlicher. Auch sollte im Zusammenhang mit den Lagermitteln darauf hingewiesen werden, dass die Bündnisplanungen ab 1979 anders waren als zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Lager.
So wurde ab 1979 intern mit einem verzögertem Einsatz der polnischen und rumänischen Bündnispartner gerechnet (man nahm an, dass diese Partner erst ihre innenpolitischen Probleme lösen mussten, bevor sie im Bündnis der Vereinten Streitkräfte handlungsfähig waren) und der NVA in den Planungen eine höhere Wertigkeit zugesprochen. Was nicht gleichbedeutend offenlegt, dass alle eingelagerten GK, NVA Mittel hätten sein können. Auch erhielt die NVA in diesem Zusammenhang den Bereich der früheren Küstenfront als Handlungsbereich, denn es galt nun diesen allein zu sichern, falls der Bündnispartner Polen ausfällt. Da die Lager aber bei Standortverschiebungen, rein Versorgungstechnisch, passen mussten, wurden für diese "Probleme" rechtzeitig Vorkehrungen getroffen und ab 1979 zügig umgesetzt.
Ein Regierungsabkommen zwischen der UdSSR und der DDR regelte alle Fragen zum Bau und zur Finanzierung dieser Anlagen. Die DDR bezahlte einen Großteil der Lagerbauten aus eigenen Mitteln. Das war auch in anderen Ländern der Warschauer Vertragsstaaten so. Das Stationierungsland stellte immer die nötigsten Mittel für den Bau zur Verfügung. Dies war in allen Regierungsabkommen so geregelt. Der Kreis derer, die den Inhalt dieses Abkommen kannten, war verständlicherweise sehr begrenzt, jedoch nicht unbekannt (wie immer oft behauptet wird). Aufseiten der DDR hatten etwa 10-15 Personen über die Lagerorte und die eingelagerten Mittel Kenntnisse.
Obwohl bereits ab dem Jahr 1953 erstmalig die Vorbereitung und die Stationierung des Systems R-5 (SS-3) in Neuthymen und Vogelsang erfolgte, wurden erst im Jahre 1969 Gefechtsköpfe, Anfangs für R-11 (SCUD-A), mit Ablösung dieses Systems dann für die R-17 (SCUD-B) vorgehalten. Später wurden dann auch GK für OTR-22/Temp/SM (SS-12), OTR-23 (SS-23) und Totschka (SS-21) in diesen Frontbasen gelagert. Nachdem die OTR-23 (SS-23) auf Grund ihrer Reichweite unter den INF-Vertrag fiel, wurden auch diese aus den Lagerobjekten rückgeführt.

(Quelle Text: P. Rentsch, "An vorderster Front" Teil 1, Archiv Heimatgalerie)