Heimatgalerie - Sicherungskomplex "Antwort"

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Sicherungskomplex "Antwort"

Sicherungskomplex "Antwort",

beinhaltet u.a. die Verlegung der Raketenkomplexe operativ-taktischer Bestimmung (OTR-22) auf das Gebiet der ehemaligen DDR in der 2. Jahreshälfte 1983. Diese notwendige Gegenmaßnahme der UdSSR war eine Reaktion auf den NATO Doppelbeschluß aus dem Jahre 1979, strategische Raketenabteilungen mittlerer Reichweite (Pershing 2 und Marschflugkörper) der USA nach Europa zu verlegen. Für die Sowjetunion und die Mitgliedsstaaten des Warschauer Vertrags hatten diese Waffensysteme, aufgrund der damit drastisch gesunkenen Vorwarnzeit (Moskau etwa bei 6-8 Minuten) , den Erstschlagcharakter (First Strike). Um im Bedarfsfall Handlungsfähig zu sein blieb nur die Variante der 'Vornstationierung' auf dem Territorium der DDR und dort im diensthabenen System (DHS) die höchste Gefechtsstufe.
Zitat: "[...] das die Raketensysteme im Prinzip mobil sind, zwischen den Regierungen der UdSSR, der DDR und der CSSR jedoch vereinbart wurde, daß die Raketensysteme im diensthabenen System in festgelegten Räumen stationiert und ständig im Wechsel in den Stellungen feuerbereit gehalten werden.", "[...] die Objekte im Norden der DDR von größerer Bedeutung sind. Die im Süden der DDR zu stationierten Raketenkomplexe werden auf Italien ausgerichtet."

"...Die im Süden der DDR zu stationierten Raketenkomplexe werden auf Italien ausgerichtet." [Anm. d. Autors: bei dieser Aussage das die Systeme OTR-22 auf Italien ausgerichtet sind kann allenfalls die Richtung 'Italien' gemeint sein. Alles andere, etwa direkte Ziele in Italien, kann auf Grund der Reichweite (900 km) der Systeme ausgeschlossen sein.]  

Der Sicherungskomplex "Antwort" beinhaltete weit mehr Maßnahmen als die Verlegung der Raketenkomplexen operativ-taktischer (OTR) Bestimmung. Ich möchte mich jedoch nur auf die OTR-22 und deren "Antwort" Objekte beschränken. Liegen doch diese Ereignisse, bedingt zB durch die Pressemeldungen zum Abzug im März 1988 und die folgenden Inspektionen aus dem INF Vertrag, eher im Gedächtnis der öffentlichen Allgemeinheit. Hinzu kommt, dass mir derzeit nur Unterlagen zu dieser Thematik vorliegen.
Was folgt, soll der oder ein Versuch sein Hintergründe, Verläufe und Bestimmungen dieser Maßnahme aufzuzeigen und eventuelle bestehende Falschinformationen zu korrigieren. Hierzu nutze ich ausschließlich Unterlagen der HA II/AG "S" (Spionageabwehr), der HA XIX (Absicherung Militärverkehr der DR), der HA III (Funkaufklärung), der Bezirksverwaltungen (BVfS) Potsdam und Neubrandenburg, Unterlagen aus dem Bereich STBA (Spezielle Transport- und Bauaufgaben) und Vermerke der OG Fürstenberg und BV Potsdam / Neubrandenburg. Diese Unterlagen sind auf Antrag (Forschungsantrag) bei der BStU einsehbar und mit sehr viel Fleißarbeit zu Forschungszwecken nutzbar.

Die nachfolgenden Erläuterungen, Beschreibungen und Hinweise stellen keine Wertung oder Richtigstellung durch mich dar. Sie sind ausschließlich der Aktenlage entnommen und zeigen den Kenntnisstand und die Beurteilungen der jeweiligen Hauptabteilungen (HA), Bezirksverwaltungen (BV) und anderen, oben genannten Gruppen. Dies soll bisher nur ein Spiegelbild der Geschehnisse in den Jahren 1983-1987/88 sein. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Bild zeigt ein Raketenkomplex operativ-taktischer Bestimmung (OTR-22, 9K76, SS-12/22, Scaleboard) auf Fahrzeug MAZ-543 (9P120) mit der Rakete 9M76B wie u.a. in der DDR stationiert.

(Quellen: BStU BVfS Pdm AKG 109, BStU MfS-HA II 30788, Archiv heimatgalerie, Bild OTR-22: http://www.enemyforces.net/missiles/otr_22.htm)

Stand: Oktober 2017