Heimatgalerie - Ausstellung "Mythos Germania - Vision und Verbrechen"

Heimatgalerie

Dokumentationen zur Zeitgeschichte - damit die Wahrheit erhalten bleibt
Home

Ausstellung "Mythos Germania - Vision und Verbrechen"

BERLINER UNTERWELTEN E.V.
Gesellschaft zur Dokumentation und Erforschung unterirdischer Bauten
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Telefon (030) 49 91 05 17 Telefax (030) 49 91 05 19 Brunnenstraße 105, 13355 Berlin www.berliner-unterwelten.de

PRESSEMITTEILUNG 17.09.2014
„Mythos Germania – Vision und Verbrechen“
Eine (saisonale) Dauerausstellung des Berliner Unterwelten e.V. über die Neugestaltungspläne Hitlers für die Reichshauptstadt Berlin
Ab 18. September 2014 im U-Bahnhof Gesundbrunnen


Albert Speers Planungen für die Reichshauptstadt waren keine Utopie, sondern ein konkretes Bauvorhaben. Hitlers architektonische Vorstellungen von einer künftigen Reichshauptstadt, deren Monumentalbauten dem NS-Staat zur Selbstdarstellung dienen sollten, werden ab dem 18. September 2014 in der Geschichtsausstellung „Mythos Germania – Vision und Verbrechen“ in einem Zwischengeschoss des U-Bahnhofs Gesundbrunnen thematisiert.
Die von dem Berliner Unterwelten e. V. initiierte und dem Historiker Gernot Schaulinski konzipierte Ausstellung beleuchtet nicht nur die Architektur und Stadtplanung während des NS-Regimes. Sie dokumentiert auch die grundlegenden ideologischen Zielsetzungen des Nationalsozialismus und die von Albert Speer in Berlin forcierte Judenverfolgung. Gleichzeitig werden Legenden und Klischees rund um die „Welthauptstadt Germania“ dekonstruiert.

Themen, Raum und Inszenierung
Die Architektur hatte im Nationalsozialismus einen herausragenden politischen Stellenwert; sie diente der Machtdemonstration und der Massenmanipulation. Berlin besaß für sämtliche Gauhauptstädte Modellcharakter und sollte zur international führenden Metropole aufgebaut werden. Zur Realisierung dieses Vorhabens wurde 1937 eine neue Behörde geschaffen: „Der Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt Berlin“, kurz GBI.
Ihr Chef: der damals 32-jährige Architekt Albert Speer. Er erhielt die Möglichkeit, nahezu unbegrenzt über Menschen und Ressourcen zu verfügen. Was er auch tat.
Als „Generalbauinspektor“ war er verantwortlich für die Vertreibung der Berliner Juden aus ihren Wohnungen, mit der SS schloss er Verträge für die Produktion von Baumaterial in Konzentrationslagern. Als späterer Rüstungsminister veranlasste Speer die Verschleppung hunderttausender Menschen zur Zwangsarbeit im Deutschen Reich. In ihren insgesamt sieben Themenbereichen zeigt die Ausstellung „Mythos Germania – Vision und Verbrechen“ ausgewählte Bauvorhaben und beleuchtet dabei bautechnische, soziale und ideologische Hintergründe – stets im Kontext mit den für die „Neugestaltung“ begangenen Verbrechen: Vertreibung, Deportation und Zwangsarbeit.
Den passenden Ort für die Ausstellung liefern die Räume einer Zwischenetage im U-Bahnhof Gesundbrunnen. Hier geben Medienstationen, Text- und Bildfahnen, Exponate und ein Architekturmodell einen umfassenden Einblick in die Pläne und Vorhaben des GBI. Zur individuellen Vertiefung dienen zusätzliche Film-, Hör- und PC-Stationen sowie „Ausziehladen“, die weitere Detailinformationen liefern.
Ausgangspunkt der Ausstellung ist der 40 qm große Eingangsraum. Unter der Bezeichnung „Generalbauinspektor – Die Neugestaltung der Reichshauptstadt“ werden hier zunächst Struktur, Aufgabenbereiche und Machtfülle der von Albert Speer geleiteten Dienststelle dargestellt. Die angrenzende sieben Meter hohe Halle mit einer Fläche von 290 qm bildet den Hauptausstellungsbereich und präsentiert die übrigen sechs Themenbereiche „Beräumung – Leerflächen per Dekret“, „Ost-West-Achse – Umbau des Bestehenden“, „Verbrechen – Deportation und Sklavenarbeit“, „Nord-Süd-Achse – Riss durch Berlin“, „Mythen – Propaganda und Klischees“, „Spuren – Zeugnisse der Reichshauptstadt“.
Wie die GBI-Elite den Bruch und den schadlosen Übergang nach dem Zweiten Weltkrieg „übersteht“, wird in Form von stilisierten Karteikarten „Zur Person“ gezeigt. Das Schicksal der Opfer wird durch persönliche Briefe und Fotos sowie eine Vielzahl von amtlichen Schreiben dokumentiert. Zu den Originalexponaten zählen der Teil eines „Speer-Kandelabers“, Artefakte vom Gelände des KZ-Außenlagers „Klinkerwerk“ bei Oranienburg, das Überlagerungsmodell „Germania-Berlin“ des Künstlers Edgar Guzmanruiz und ein Säulenfragment der „Neuen Reichskanzlei“. Darüber hinaus wird das für den Film „Der Untergang“ (2004) geschaffene Großmodell von „Germania“ ausgestellt. Dieses steht im eindrucksvollen Spannungsverhältnis mit einer unmittelbar angrenzenden Leuchtwand, die die verbrecherischen Konsequenzen des Großbauprojektes darstellt.
Über 20 Autoren – viele von ihnen für Berliner Universitäten, Gedenk-, Dokumentations- und Informationsorte tätig – haben sich an dem interdisziplinären Projekt beteiligt.

Veranstalter
Kurator Gernot Schaulinski ist als Historiker für Fernsehproduktionen, Ausstellungs- und Publikationsprojekte zu Themen der Zeitgeschichte und Stadtforschung tätig. Er war u. a. im Auftrag des Museumspädagogischen Dienstes, des Deutschen Historischen Museums und des Deutsch-Russischen Museums Karlshorst an einem Multimediaprojekt der Ausstellung „Berlin 1945 – Kriegsende und Neubeginn“ (2005) beteiligt sowie an den Ausstellungen „Berlins vergessene Mitte“ (2010) und „Berlinmacher – ein Netzwerk“ (2012) der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Gernot Schaulinski ist Mitglied des Berliner Unterwelten e. V. und engagiert sich für die Erforschung und Vermittlung der Thematik „Unterirdische Fluchten zur Zeit der Berliner Mauer“.

Initiator
Seit 1997 erforscht, dokumentiert und erschließt der gemeinnützige Verein Berliner Unterwelten e. V. mit seinen derzeit 470 Mitgliedern unterirdische Anlagen in Berlin. Um einer breiten Öffentlichkeit Einblick in die tiefliegenden Bauwerke zu ermöglichen, werden regelmäßig verschiedene Infotouren angeboten. Der Schwerpunkt liegt dabei im Bereich Luftschutz des Zweiten Weltkrieges, aber auch Anlagen ohne militärischen Hintergrund wie Exponate der innerstädtischen Rohrpost, unterirdische Brauerei-Relikte oder unvollendete U-Bahnhöfe werden den Besuchern zugänglich gemacht. 2006 wurde der Berliner Unterwelten e. V. mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz ausgezeichnet.

Kooperationspartner
Als Kooperationspartner ist das Center for Metropolitan Studies (CMS) der Technischen Universität Berlin am Ausstellungsprojekt beteiligt. Hier forschen seit 2004 Wissenschaftler/-innen gemeinsam mit einem internationalen Graduiertenkolleg zu historischen Entwicklungen und aktuellen Fragestellungen rund um das Thema Stadt. Im Master-Studiengang „Historische Urbanistik“ werden junge Stadtforscher/-innen ausgebildet.

Ausstellungsagentur (Projektkoordination, Gestaltung, Grafik)
W22 Projektgesellschaft, Berlin

Ausstellungsbau
D4 Projekt GmbH, Berlin

Ausstellungsort
U-Bahnhof Gesundbrunnen, Zugang über die Eingangshalle des U-Bahnhofs
Gesundbrunnen (U8) vor dem Gesundbrunnen-Center
Badstraße/Ecke Behmstraße
13357 Berlin
Eintrittskarten sind ausschließlich im zentralen Ticketverkauf des Vereins in einem Pavillon am U-Bahn-Eingang gegenüber dem Volkspark Humboldthain erhältlich (Brunnenstraße 105, 13355 Berlin).

Laufzeiten (saisonal)
18. September bis 30. November 2014
2. April bis 30. November 2015

Öffnungszeiten
Donnerstags bis sonntags: 11 bis 18 Uhr
Die Kasse des Berliner Unterwelten e. V. schließt um 16 Uhr.
Kapazität: 99 Personen
Aufenthaltsdauer: 1 bis 2 Stunden

Eintrittspreise
Ausstellungsticket „Mythos Germania – Vision und Verbrechen“
5,– € regulär
4,– € ermäßigt
3,– € Kombiticket (beim Kauf eines Tickets für die Teilnahme an einer Tour des Vereins)
Der Ticketverkauf findet ausschließlich im Pavillon des Berliner Unterwelten e. V. statt (Brunnenstraße 105, 13355 Berlin). Am Einlass zur Ausstellung werden keine Tickets verkauft, der Besuch ist nur mit einer bereits erworbenen Eintrittskarte möglich.
Bitte beachten:
Die Ausstellung liegt auf einem Zwischengeschoss, das nur per Treppe erreichbar ist. Es gibt keinen Fahrstuhl. Für die Besichtigung der Ausstellung ist flaches Schuhwerk erforderlich (keine Stöckelschuhe).